12). Fifi geht ans Werk – Üben mit dem Hund

Glückwünsche! Jetzt hast Du es fast geschafft. Falls Du die vorherigen Abschnitte konsequent durchgearbeitet hast, solltest Du nun einen guten Überblick über die Grundlagen der Hundeausbildung haben. Jetzt aber mal los mit der eigentlichen Ausbildung.

Location, Location, Location! Das Vermeiden von Störungen ist ein entscheidender Teil der Hundeausbildung, besonders in der Anfangsphase. Um die ersten Schritte erfolgreich zu meistern benötigen wir die 100-prozentige Aufmerksamkeit unseres Hundes, und das wird einfach nichts, wenn wir Familienangehörige oder eine Menge anderer Ablenkungen um uns herum haben. Gehe in den Garten oder in die Küche. Falls sich dort noch andere Hunde oder Familienangehörige aufhalten… raus damit und Tür zu.

Sobald Dein Hund Fortschritte gemacht hat können wir schrittweise mit der Einführung von Ablenkungen beginnen – aber nur solange wie Dein Hund dabei seine Konzentration nicht verliert.

In der Kürze liegt die Würze. Damals als ich selbst mit der Hundeausbildung begonnen habe bin ich am Wochenende immer auf den “Übungsplatz” gefahren. Da gab es eine Menge von Leuten die Samstags und Sonntags mit ihren Hunden auf dem Platz rumgelaufen sind. Man konnte sofort erkennen wer schon lange dabei war, man brauchte sich nur den Hund anzusehen, Ohren weggeklappt, Kopf nach unten. Da gab es kein freudiges “Bei Fuß” laufen, das sah eher aus wie der Todesmarsch durch die Sahara, der lediglich durch die immer wiederkehrenden, “motivierenden” Leinenrucks zurück ins Leben gerufen wurde. Kein schönes Bild.

Also, wie oft solltest Du mit Deinem Hund trainieren? Folge einfach dem Grundsatz, dass weniger mehr ist. Zumindest anfangs, übe niemals mehr als ein paar Minuten pro Übungseinheit und konzentriere Dich dabei immer nur auf eine einzige Übung. Achte darauf, dass Deine Übungen immer dann aufhören wenn es gerade am schönsten ist. Dein Hund soll mit Begeisterung aufhören, und sich auf das weiterüben freuen. Wiederhole Deine Übungseinheiten mehrmals am Tag, aber immer nur dann, wenn Dein Hund voll motiviert ist. Übe nicht, wenn Dein Hund müde oder abgelenkt ist, und übe schon gar nicht, wenn Du selbst nicht bei der Sache bist oder unter emotionalem Stress zu leiden hast. Übe nur, wenn Du in freundlicher, ruhiger und ausgeglichener Stimmung bist. Dein Hund wird es Dir danken.

Aber wie denn nun?

Schritt 1: Bringe Deinen Hund dazu ein neues Verhalten anzubieten – entweder durch: Erfassen, Gestalten, Imitieren, Locken oder auch Formen. Das Sitz ist eine einfache Übung für Anfänger. Verwende zunächst noch kein Hörzeichen, wir wollen schließlich nicht das unserer Hund möglicherweise eine Fehlverknüpfung macht.

Schritt 2: Markiere das korrekte Verhalten Deines Hundes in dem Augenblick in dem er es zeigt. Deine Markierung sollte gleichzeitig mit dem korrekten Verhalten erfolgen, aber auf keinen Fall später als 1-2 Sekunden, da dann die Gefahr besteht dass Dein Hund die Verbindung nicht mehr herstellt.

Schritt 3: Belohne Deinen Hund für das richtige Verhalten, und denke daran, die “Markierung” des Verhaltens ist keine Belohnung, lediglich eine Ankündigung einer Belohnung die auf jeden Fall erfolgen muss.

Schritt 4: Wiederhole die Übung. In der Kürze liegt die Würze. Sobald Dein Hund die Übung mit etwa 80-prozentiger Zuverlässigkeit korrekt wiederholen kann, kannst Du damit beginnen das Hörzeichen einzuführen.

Schritt 5: Benutze das Hörzeichen um Deinen Hund zur Durchführung der Übung zu animieren. Falls Du irgend welche Körperhilfen beim Erlernen der Übung verwendet hast (z. B. Handbewegung in Richtung Boden bei “Platz”), benutze diese zusammen mit dem Hörzeichen weiterhin in den folgenden 10-15 Übungseinheiten.

Schritt 6: Jetzt erst mal Pause! Einer der größten Fehler den selbst sehr erfahrene Hundeführer immer wieder machen ist das “übertrainieren”. Du und Dein Hund haben gerade etwas Großes erreicht, und Dein Hund hat Spaß daran. Sei stolz auf ihn und überlege Dir nach einem wohlverdienten Spiel mit ihm, was ihr als nächstes anpacken wollt. Wenn bis jetzt alles gut gegangen ist, wird Dein Hund die neu erlernte Übung mit viel Motivation und Begeisterung durchführen – wenn auch noch nicht ganz korrekt. Das ist aber egal, denn wenn wir jetzt schonungslos weitertrainieren und die neue Übung bis zum Umfallen wiederholen um “Perfektion” zu erreichen, wird unser Hund nicht nur die Lust verlieren, sondern von seiner ersten Begeisterung in totale Frustration, oder sogar ins Meideverhalten abrutschen. Damit wären dann gemeinsame, zukünftige Übungen von vorn herein zerstört.

Schritt 7: Unser Hund kennt nun die Übung und das Hörzeichen kombiniert mit unserer Körperhilfe. Wir fangen nun damit an, die Körperhilfe von dem Hörzeichen zu trennen, (Signalseparation) da Hunde dazu tendieren auf Körpersignale besser zu reagieren als auf verbale (oder vokale) Kommunikation. Da wir aber wollen das unser Hund sicher auf das Hörzeichen reagiert, müssen wir ihm vermitteln, das dass Hörzeichen wichtiger ist als unsere Gestik oder Mimik. Wir erreichen dies indem wir ihn langsam daran gewöhnen, dass das Hörzeichen immer unserem Körpersignal vorausgeht. Fange also langsam damit an Deine Körperhilfe erst kurz nach dem Hörzeichen zu geben, zuerst nur einen Sekundenbruchteil, und diesen weiten wir dann im Laufe einiger Wiederholungen auf etwa ein bis zwei Sekunden aus. Motivierte Hunde warten nicht gern, daher wird Dein Hund bald damit anfangen schon auf das erste Hörzeichen zu reagieren. (Anmerkung: Soweit ich mich erinnere wurde diese Methode erstmals von Prof. Lind in seinem Buch “Mensch Hund Harmonie” vorgestellt, ein äußerst ausführliches Werk über Hundehausbildung das ich wärmstens empfehlen kann).

Wenn Du schließlich am Ziel Deiner Übungseinheiten angelangt bist und sicherstellen möchtest das Dein Hund wirklich keine Körperhilfen mehr benötigt, dann verschränke Deine Arme hinter Deinem Rücken, wende Dein Gesicht von ihm ab und gib ihm das Hörzeichen. Wenn er darauf hin die Übung sauber ausführt hat er gelernt was er soll.

Verkettung und Rückverkettung. Bevor ich das Kapitel über Grundlagen beende, hier noch eine weitere Methode zum trainieren von sehr komplexen Verhaltensweisen. Das Trainieren von Übungen die aus nur einer Aktion bestehen (z.B. Sitz oder Platz oder Verbellen) ist ziemlich einfach. Was aber bei Übungen die eine Vielzahl von Schritten erfordern?

Man denke dabei nur an die Übung mit dem Bringholz, aus der Welt des Obedience oder Schutzhundsports. Die Übung beginnt, mit dem Hund aufmerksam wartend in der Grundstellung, Du wirfst das Bringholz – und Dein Hund wartet weiterhin ruhig auf Dein Hörzeichen. Auf das “Bring” Hörzeichen, rennt Dein Hund auf das Bringholz los, nimmt es schnell auf und kommt zügig und in einer direkten Linie zu Dir zurück, wo er dann ruhig mit dem Bringholz vorsitzt, bis Du es auf Anweisung des Prüfungsrichters abnimmst.

Diese Übung beinhaltet mindestens ein halbes Dutzend verschiedener Unterübungen:

(1) Wartet in der Grundstellung,
(2) Schnell und direkt zum Bringholz laufen,
(3) Bringholz aufnehmen und schnell wieder zurück damit zum Hundeführer,
(4) Gerades Vorsitzen vor dem Hundeführer,
(5) Das Bringholz ruhig mit erhobenen Kopf halten,
(6) Die Freigabe des Bringholzes nach dem “Aus” Hörzeichen.

Wir würden unseren Hund total überfordern, wenn wir auch nur ansatzweise versuchten, dies alles in einem Stück zu trainieren. Wir zerteilen stattdessen die Gesamtübung in einzelne Teile und üben diese in Einzelschritten, die dann später zu einem Ganzen zusammengefügt werden. Dies nennt man Verkettung (“chaining”, wenn man eine Übung von Anfang bis Ende in Teilen trainiert) und Rück-verkettung (“back-chaining”, wenn man eine Übung am Ende beginnt und dann bis zum Anfang in Teilen trainiert). Mehr dazu in den einzelnen Übungslektionen.

(Hinweis: Dieser Abschnitt gehört zu einem Artikel über die Grundlagen der positiven Hundeausbildung.
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ÜbersichtKapitel 11Zu den Übungen

 

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