5.) Anka spricht kein Deutsch – Die Sprache unserer Hunde

Hunde kommunizieren genau wie Wölfe zum größten Teil auf einer nicht-vokalen Ebene. Visuelle (Mimik, Gestik und Körpersprache), taktile (Stupsen und Berühren) und olfaktorische (Geruch) Kommunikation spielt unter Hunden eine viel wichtigere Rolle als bei uns Menschen. Forscher für evolutionäre Anthropologie am Max Planck Institut haben sogar entdeckt, dass Hunde sogar die Mimik eines Menschen deuten können. Kein anderes Tier ist dazu in der Lage, nicht einmal der Affe!

Hunde sind mit einer Reihe von instinktiven Haltungen geboren aus denen wir eine Vielfalt von Informationen über ihren aktuellen Gemütszustand ableiten können.

Diese Haltungen variieren in ihrer Intensität und sie treten oft sogar in Kombinationen auf. Wir können nur angemessen auf das Verhalten unseres Hundes reagieren, wenn wir dessen Körpersprache auch “lesen” können. Natürlich gibt es solch eine Vielzahl von Rassen mit verschiedenen Merkmalen oder Körpereigenschaften das man diese Haltungen bei einigen Hunden nicht so ohne weiteres deuten kann. Daher dienen die folgenden Beispiele lediglich zur Veranschaulichung:


Körpersprache bei Hunden

Neutrale, entspannte Haltung

Der Hund steht in einer entspannten Haltung mit seinem Gewicht gleichmäßig über seine 4 Beine verteilt. Sein Fang ist geschlossen oder nur leicht geöffnet. Seine Rute hängt locker nach unten, und die Ohren sind in einer aufrechten Haltung. Dies ist die normale Haltung eines entspannten und freundlichen Hundes.

 

Bereitschaftshaltungen

Aufmerksamkeitshaltung

Der Hund steht mit ruhiger Haltung. Seine Rute ist leicht über dem Rücken erhöht. Er hält seinen Kopf aufrecht und seine Augen und Ohren sind auf die Reizursache gerichtet. Der Fang des Hundes ist geschlossen. Der Hund ist wachsam und bereit zu reagieren.

 

Wachsamkeitshaltung

Der Hund sitzt oder steht in einer angespannten und wachsamen Haltung mit leicht offenem Fang. Sein Kopf ist aufrecht und die Ohren zeigen spitz nach vorn. Die Rute ist nach hinten verlängert. Der Hund ist bereit blitzschnell zu reagieren.

 

Einschätzung- Drohungs- und Aggressionshaltungen

Imponierhaltung

Der Hund versucht sich so groß wie möglich zu machen. Er hält seinen Kopf hoch, mit seinen Ohren aufrecht und nach vorn zeigend. Er starrt seinen Gegner an, dabei kommt es vor, dass seine Lefzen etwas angehoben sind, damit die Zähne sichtbar werden. Die Nackenhaare des Hund sind leicht aufgestellt, oft vom Hals bis zur Rute welche er leicht wedelnd im hohen Bogen über seinem Rücken hält. Der Hund ist erregt und versucht die psychische Stärke seines Gegners oder Rudelgenossen einzuschätzen.

 

Beurteilungshaltung

Der Hund steht still oder bewegt sich in ruhiger und wachsamer Weise. Er hält seinen Kopf hoch mit den Ohren nach vorne. Die Nackenhaare des Hund sind vollständig aufgestellt, oft vom Hals bis zur Rute. Seine Fang ist angespannt und signalisiert seine Reaktionsbereitschaft auf eine potenzielle Gefahr, während seine Rute im leichten Bogen über seinem Rücken etwas wedelnd seine Bereitschaft zu Begrüßung signalisiert. Er weiß noch nicht recht wie er in sich in dieser Situation verhalten soll.

 

Aggressionshaltung

Der Hund kommt aus der Imponierhaltung in eine Angriffshaltung. Er schiebt seinen Kopf leicht nach vorn und verteilt mehr Gewicht auf seine Vorderbeine. Dabei sind seine Beine in Vorbereitung auf eine sprunghafte Bewegung leicht gebeugt. Seine Ohren sind aufgestellt und er starrt den Gegner an. Seine Nackenhaare sind aufgestellt und seine steife Rute hält er leicht erhöht über seinem Rücken. Seine Lippen sind gerunzelt und seine Zähne sind sichtbar. Manchmal knurrt der Hund dabei. Diese Haltung ist die letzte Warnung des Hundes vor einem Angriff.

 

Defensive Aggressionshaltung

Der Hund zeigt beide Elemente der Aggression und der Angst. Er duckt sich leicht und verlagert sein Gewicht auf seine Hinterbeine. Seine Nackenhaare sind vom Hals bis zur Rute vollständig aufgestellt. Seine Schnauze ist angespannt und seine Lippen sind gerunzelt. Seine Zähne sind sichtbar und oft knurrt der Hund dabei. Die Rute des Hundes hängt dabei meist nach unten oder wird unter dem Bauch gehalten und seine Ohren sind nach hinten flach gegen den Kopf gelegt. Dies ist die typische Haltung eines Angstbeißers. Der Hund hat Angst und beißt aus Angst wenn man sich annähert.

 

Demut und Angsthaltungen

Angsthaltung

Der Hund duckt oder geht in eine leicht kauernde Stellung wobei er sein Gewicht auf die Hinterbeine verlagert. Sein Kopf ist leicht gesenkt und seine Ohren sind flach nach hinten gegen seinen Kopf gelegt. Sein Schwanz ist tief unter den Bauch geklemmt und sein Fang ist fast geschlossen mit seinen Lippen gerunzelt und zurückgezogen. Der Hund will Konfrontation vermeiden.

 

Aktive Unterordnungshaltung

Der Hund bringt seine Anerkennung eines anderen, sozial höhergestellten Hundes oder Menschen dadurch zum Ausdruck indem er eine leicht kauernde Stellung einnimmt und seinen Kopf dabei senkt. Sein Fang ist geschlossen und seine Ohren sind zurückgelegt. Seine Rute hängt nach unten und wedelt langsam. Der Hund fügt sich einem übergeordneten Hund oder Menschen mit höherem sozialem Rang und möchte Aggression verhindern.

 

Passive Unterordnungshaltung

The dog lies suppliant and calmly on the ground. His head is down or slightly pushed forward below his neck. His ears are back and his muzzle is nearly closed with his lips pulled back. His tail lies on the ground, sometimes slowly wagging. The dog is unconfident and/or wants to appease.

 

Totale Unterwerfungshaltung

Der Hund ergibt sich und legt sich auf den Rücken. Seine Hinterbeine sind ausgebreitet und seine Rute liegt entweder zwischen seinen Beinen oder ist unter seinem Bauch eingeklemmt. Manchmal uriniert der Hund in dieser Position. Seine Ohren sind zurückgelegt und seine Schnauze ist fast geschlossen mit seinen Lippen zurückgezogen. Der Hund hat sich vollständig ergeben.

 

Kontakt oder Spielhaltungen

Begrüßungshaltung

Der Hund steht oder geht mit dem Kopf leicht nach oben gehalten. Seine Rute hält er knapp erhoben über seinem Hinterteil. Der Fang ist leicht geöffnet und entspannt. Dominantere Hunde halten dabei ihre Ohren aufrecht wobei besonders jüngere oder unterwürfigere Hunde ihre Ohren flach zur Seite, oder komplett zurücklegen. Der Hund ist freundlich und signalisiert seine Bereitschaft, die den Kontakt herstellen.

 

Begrüßungsverhalten

Hunde haben eine Vielzahl von verschiedenen Begrüßungsverhalten mit anderen Hunden oder Menschen. Sie beugen sich leicht nach unten und ihre Rute wedelt ruckartig entweder in hängender oder in leicht erhobener Stellung über dem Rücken. Der Fang des Hundes ist leicht geöffnet, und seine Ohren sind angelegt. Sein Kopf ist etwas gesenkt und wird dabei stupsartig auf den anderen Hund oder die Person zu bewegt. Ein etwas unterwürfigerer Hund begrüßt dabei einen dominanteren Hund oft durch anstupsen oder ablecken dessen Fangs. Der Hund ist aufgeregt und freundlich.

 

Spielaufforderungshaltung

Vor seinem Spielkameraden senkt der Hund sein Vorderteil bis fast auf den Boden. Seine Vorderbeine sind dabei leicht ausgebreitet. Er bewegt seinen Kopf, die Rute und oft auch seine Brust seitlich mit schnellen, ruckartigen Bewegungen hin und her. Sein Fang ist leicht geöffnet und seine Ohren sind leicht nach vorne oder zur Seite gelegt. Er fixiert seinen Spielkameraden mit den Augen. Der Hund fordert einen anderen Hund oder Menschen zum Spielen auf.

 

Spielangriff

Der Hund starrt seinen Spielkameraden aus der Ferne an, dann duckt er sich leicht und bewegt sich langsam in dieser Haltung auf ihn zu. Plötzlich springt er auf und rennt auf seinen Spielkameraden zu, bremst dann aber ab und springt hoch oder zur Seite kurz bevor er diesen erreicht hat. Seine Ohren trägt er dabei aufrecht und nach vorne gerichtet. Seine Nackenhaare sind nicht aufgerichtet. Sein Fang ist leicht geöffnet und seine Rute hält er nur geringfügig über seinem Hinterteil. Der Hund zeigt spielerische Aktivitäten, um einen anderen zum Spielen zu animieren.

 

Körpersignale

Zusätzlich zu den instinktiven Haltungen kann man beim Hund auch noch eine Vielzahl von Einzelsignalen beobachten die uns helfen den emotionalen Zustand unseres Hundes besser zu verstehen.

Aufgestellte Nackenhaare (eine “Bürste”):

– Am Hals und Rücken mit spitzen Ohren nach vorn: warnend drohend
– Auf dem Rücken bis zum Rutenbereich: Hier stimmt was nicht
– Auf der Rute: Absicht zu beeindrucken oder Aggression

Ohren:

– Lose: ruhig, entspannt oder desinteressiert
– Aufrecht: aufmerksam, dominant, selbstsicher
– Seitlich gedreht: neugierig
– Zurückgelegt: Unterordnung, Angst oder Einladung zum Spiel

Gesichtszüge:

– Entspannt, geschlossener Fang: ruhig, entspannt, freundlich oder unsicher
– Angespannt, Fang leicht offen: aufmerksam, wachsam
– Lippen hochgezogen, Zähne sichtbar, Nase gerunzelt: Warnung, Drohung
– Lippen horizontal zurückgezogen: Unsicherheit, Angst, Unterwerfung
– Geschlossener oder leicht geöffneter Fang, “Grinsen”: Freundlichkeit, Glücksgefühl

Rute:

– Entspannt, unten: ruhig, entspannt oder desinteressierte
– Weitgeschwungenes Wedeln: Aufregung, Freude, Begrüßung
– Bogenförmig hoch über dem Rücken: dominant, sicher, wachsam
– Nach hinten gestreckt, gerade oder leicht erhöht: Warnung, Drohung
– Unter dem Bauch versteckt oder eingeklemmt: Angst, Unsicherheit, Unterwerfung

(Hinweis: Dieser Abschnitt gehört zu einem Artikel über die Grundlagen der positiven Hundeausbildung.
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Referenzen:
“Der qualifizierte Hundeführer” by Manfred Müller – Oertl & Spoerer Verlag Germany
The American Association fort the Prevention of Cruelty to Animals

 

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