6.) Ein Ferngespräch für Benny – Kommunikation mit unserem Hund.

Nachdem wir nun die verschiedenen Haltungen und Signale unserer Hunde besser zu verstehen gelernt haben, geht es nun um unsere eigene Kommunikation mit unserem vierbeinigen Freund. Hunde nutzen eine Vielzahl von Kommunikationswegen untereinander – und das gilt auch für ihre Interaktion mit uns Menschen. Unsere Hunde verstehen schließlich keine Sprache oder Worte, sie verstehen lediglich den Ton, die Tonhöhe, und die Lautstärke unserer Stimme.

Darüber hinaus achten sie auf alle Gesten und Bewegungen die zusammen mit unserer Stimme auftreten. Dies kann etwas so offensichtliches wie das anheben unseres Armes sein, oder etwas so unscheinbares wie das hochziehen unserer Augenbrauen.

Hunde bemerken auch Veränderungen in unserem Geruch, und das spielt insbesondere eine Rolle wenn wir Stress oder Angst empfinden. Im Ganzen sind das gute Nachrichten für Hundbesitzer da es bedeutet, dass wir eine Vielzahl von Signalkombinationen in unserer Hundeerziehung nutzen können. Dummerweise hat das ganze aber auch eine Kehrseite, es bedeutet nämlich auch, dass wir unser eigenes Verhalten sehr genau beachten müssen. Hunde gewöhnen sich in Windeseile an Signalkombinationen, selbst wenn diese für uns nur unterbewusst sind. Falls Du Deinem Hund beim trainieren des “Bleib” Hörzeichens, immer die flache Hand entgegendgestreckt hast, ist es sehr wahrscheinlich das Dein Hund das “Bleib” Kommando ohne die ausgestreckte Hand nicht sofort versteht.

Viele Hundeausbilder, ich selbst eingeschlossen, nutzen Körpersprache als ein wichtiges Ausbildungselement in der Hundeerziehung. Wenn Du Deinen Hund nach den auf dieser Webseite beschriebenen Ausbildungsgrundlagen erziehst, wird sich dieser sehr bald daran gewöhnt haben, genau auf Deine Körpersprache zu achten. Er wird versuchen von Deiner Gestik und Mimik abzuleiten, was Du von ihm erwartest. Wenn ich meinem Hund etwas Neues beibringe, fange ich immer zuerst mit Körpersprache an. Das Hörzeichen kommt erst dann, wenn ich genau weiß, dass mein Hund verstanden hat was er machen soll. Der Hintergrund ist simpel, Hunde können mit unserem Hörzeichen erst dann etwas anfangen, wenn sie die Übung begriffen haben. Wenn mein Hund das Sitz noch nicht gelernt hat, kann ich ihn hundertmal mit dem Hörzeichen auffordern, und er wird sich trotzdem nicht setzen. Gerade bei der Ausbildung durch Positive Verstärkung besteht hier aber die Gefahr das der Hund in solch einer Situation das Hörzeichen mit einer anderen Aktion fehlverknüpft – und dann haben wir den Salat.

Sobald mein Hund die neue Übung anhand meiner Gestik, Mimik und auch freundlichen, verbalen Ermutigungen mit einiger Sicherheit durchführen kann, führen wir das Hörzeichen ein. Nach einiger Zeit (abhängig vom Hund), reduzieren wir dann unsere Körperhilfen bis zum vollständigen Wegfall. Hierbei ist es oft hilfreich, das Hörzeichen von der Körperhilfe “abzukoppeln”. Dies bedeutet, wenn mein Hund das Hörzeichen gelernt hat, beginne ich damit, meine Körperhilfe etwa eine Sekunde später zu geben. Mein Hund sieht dann das Hörzeichen sozusagen als eine “Ankündigung” meiner für ihn aussagekräftigeren Körpersprache. Dazu aber mehr in Kapitel 12.

In der Praxis sieht der Abbau von Körperhilfen leider oft etwas anders aus, insbesondere wenn man allein mit seinem Hund trainiert und kein anderer Hundeführer oder Ausbildungsleiter in der nähe ist der die Durchführung unserer Übung beobachtet. Ich habe über die Jahre einige Hundeführer getroffen die erstaunt waren, als ihnen ein Prüfungsrichter Punkte für Körperhilfen abzog die dem Hundeführer nicht bewusst waren. Ich gehöre auch zu dieser Gruppe… und daher zeichne ich meine Übungen oft mit einer Video Camera auf. Selbstkritik ist schließlich die schönste Kritik.

Da unser Hund die Gestik und Mimik von uns besonders während unserer Übungen genau beobachtet, müssen wir uns bedingungslos auf zwei fundamentale Trainingselemente konzentrieren: Klarheit und Konsequenz.

Klarheit ist König.

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Dieses Sprichwort kann man auch in der Hundeausbildung anwenden. Der Mensch kommuniziert primär auf verbaler Ebene und deshalb plappern viele von uns fröhlich vor sich hin, wenn wir mit unserem Hund trainieren, oftmals ohne dabei zu überlegen was das für den Hund bedeutet. Da heißt es “Andy, komm, her”, während des Spazierganges, oder, “Andy, mach mal platz”, wenn sich der Hund hinlegen soll, oder “Andy!!! Pfui!!!”, wenn der Hund etwas falsch macht. Eigentlich sollte der Hund seinen Namen mit dem freudigen zum Hundeführer kommen verknüpfen, nun haben wir aber plötzlich ein Gemisch aus Namen und acht weiteren Kommandos aus der Unterordnungsausbildung. Falls man seinen Hund nur als Haustier hält mag das noch gehen, möchte man aber später auch sportlich mit dem Hund arbeiten kann das schnell zu Missverständnissen führen. Hunde sind intelligente Lebewesen, aber ihnen fehlt das logische Verständnis das uns Menschen zu dem gemacht hat was wir sind. Ein Hund kann nur ein Hörzeichen sicher mit einer Aktion verknüpfen. Er kann nicht den Umständen nach beurteilen was wir von ihm wollen. In der Welt der sportlichen Unterordnung heißt “Platz” hinlegen, sofort und gerade. Wird das “Platz” nun zu Hause anders ausgelegt, da es uns egal ist wann und wie der Hund sich hinlegt führt dies früher oder später zu Problemen die dann in der “klassischen Unterordnung” oftmals mit Druck und Strafe korrigiert werden. Das wollen wir aber nicht.

Konsequenz ist auch König!

Sobald Dein Hund ein Hörzeichen sicher erlernt hat, sollte dies immer wie ein absoluter Befehl betrachtet werden. Da gibt es kein “vielleicht” oder “einen Moment bitte”. Diese Konsequenz hat nichts mit Druck zu tun, hier geht es nur um Unmissverständlichkeit. Wenn Du deinem Hund nicht abforderst deine Hörzeichen auch sofort zu befolgen, werden diese für ihn über kurz oder lang nur “freundliche Anregungen”, denen er nur gehorchen wird, wenn er auch Lust dazu hat. Manchmal kann es ziemlich schwierig werden unseren Hunden solch eine Konsequenz abzufordern, vor allem bei jüngeren Hunden, oder wenn Dein Hund durch spielen mit anderen Hunden abgelenkt ist. In der motivationsorientierten Hundeausbildung gibt es zwei goldene Regelen: Regel eins ist, das das Befolgen eines Hörzeichen Deinem Hund immer Spaß machen muss, und Regel zwei ist das sich das Befolgen Deines Hörzeichen für Deinen Hund lohnen muss. Und was bedeutet das in der Praxis? Gebe Deinem Hund kein Hörzeichen wenn Du davon ausgehen kannst das dies von Deinem Hund ignoriert wird. Das mag sich jetzt zwar völlig idiotisch und kontraproduktiv anhören, es ist aber ein wichtiger Ausbildungsbestandteil, wenn Du Deinen Hund irgendwann einmal zu einem zuverlässigen Gehorsam bringen möchtest. Unser Hund soll erst einmal lernen dass es immer Spaß macht, unserem Hörzeichen zu folgen. Wenn das Dein Hund gelernt hat, und ich spreche hier von vielen Monaten der motivationsorientierten Ausbildung, und nicht nur einigen Tagen, dann kannst Du damit anfangen diese Hörzeichen auch unter starker Ablenkung zu geben. Zu diesem Zeitpunkt allerdings, sollte sich bei Deinem Hund der “Spaß am Gehorsam” so weit eingeprägt haben, dass er dich nicht mehr ignorieren wird oder sogar das Interesse an seinen Übungen verliert.

(Hinweis: Dieser Abschnitt gehört zu einem Artikel über die Grundlagen der positiven Hundeausbildung.
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