7). Arko geht zur Schule – Wie Hunde lernen

Hunde verändern ihr Verhalten aufgrund ihrer Erfahrungen. Im Wesentlichen bedeutet dies, dass Hunde angenehmes, oder sich lohnende Verhalten wiederholen, und gleichzeitig Verhaltensweisen die unangenehm oder schmerzhaft sind vermeiden. Studien mit Hunde in kontrollierter Umgebung haben gezeigt, dass ein Hund ein antrainiertes Verhalten nach etwa 20 bis 25 Wiederholungen sicher beherrscht. Die Anzahl der Wiederholungen von Hunden die emotional stärker in die Trainingseinheiten involviert waren dabei in der Regel erheblich niedriger.

Dies lässt vermuten, dass die emotionale Beteiligung eines Hundes an einer Übung viel wichtiger ist als die Anzahl ihrer Wiederholungen. Im Gegensatz zu Menschen mit ihrer Fähigkeit des logischen Denkens, können Hunde lediglich ihre gegenwärtige Handlung mit einer Konsequenz assoziieren.

Wenn das Zeitfenster zwischen Handlung und Konsequenz nur wenige Sekunden überschreitet, kann Dein Hund diese Assoziation nicht mehr herstellen. Also, Hundeführer die ihre “entlaufenden” Hunde nach deren Wiederkehr bestrafen, wissen also gar nicht was sie tun; denn ihr Hund denkt nun er wurde für die Rückkehr bestraft, und nicht für das Entlaufen!

Es gibt zwei allgemein akzeptierte Theorien die das Lernverhalten oder die “Konditionierung” von Hunden beschreiben. Die eine ist die “Klassische Konditionierung” und die andere ist die “Operante Konditionierung”.

 

Die Klassische Konditionierung (oder Pawlowsche Konditionierung) wurde zum ersten Mal von Iwan Petrowitsch Pawlow in den späten 1890er und frühen 1900er Jahren demonstriert. In seinen Studien stellte Pawlow fest, dass er durch das kombinieren von einem für einen Hund bedeutungslosen Reiz (z.B. das klingeln einer Glocke) mit einem für einen Hund bedeutungsvollen Reiz (z.B. Hundefutter) nach einer gewissen Zeit einen Hund so konditionieren kann, dass bei diesem schon die Speichelsekretion beginnt, wenn er die Glocke hört und nicht erst, wenn er das Futter sieht oder riecht. In Pawlows klassischem Beispiel hatte dieser in den Monaten vor seinem Experiment immer eine Glocke geläutet, wenn er seine Hunde fütterte, die Hunde begannen darauf sofort mit der Speichelsekretion. Viele traditionelle Hundeausbildungsmethoden basieren auf Pawlows Erkenntnissen: Ein Leinenruck kombiniert mit einem Hörzeichen ist auch heute noch eine gängige Methode einen Hund durch die Kombination zweier Reize zu erziehen. In diesem Szenario sind der bedeutungslose Reiz das Hörzeichen, und der bedeutungsvolle Reiz, der Leinenzwang. Nach einiger Zeit verbindet der Hund das Hörzeichen mit dem Leinenruck und gehorcht um den unangenehmen Reiz zu vermeiden.

 

Operante Konditionierung (oder Instrumentelle Konditionierung). Moderne Hundeausbildungs-methoden basieren heutzutage hauptsächlich auf den Lehren von dem Amerikanischen Psychologen Burrhus Frederic Skinner (1904-1990). Seine Theorie der Operanten Konditionierung erklärt wie ein Subjekt lernen kann, dass es durch die freiwillig Veränderung seiner Verhaltensweisen in der Lage ist, seine Umgebung zu beeinflussen (oder zu “operieren”). Ein Hund kann dementsprechend sowohl gute als auch schlechte Dinge bewirken indem er sein Verhalten so ändert, dass dies in Belohnung oder Bestrafung resultiert. Mehr darüber hier.

Skinners Lehren unterscheiden vier verschiedenen “Konsequenzen”, die wiederum in zwei Mittel der Verstärkung, sowie zwei Mittel der Bestrafung unterteilt werden. Ein fünfter Bestandteil ist der sogenannte Vorgang der Auslöschung (keine Konsequenz in Folge eines belanglosen Verhaltens).

– Verstärkung ist eine Konsequenz die bewirkt dass ein Verhalten häufiger auftritt,
– Bestrafung ist eine Konsequenz die bewirkt dass ein Verhalten seltener auftritt,
– Auslöschung bedeutet das Ausbleiben einer Konsequenz nach einem belanglosen Verhalten.

Das Kontingenzschema

Positive Verstärkung. Das Verhalten Deines Hundes resultiert in einer Belohnung. Beispiel: Du rufst Deinen Hund bei seinem Namen und er läuft sofort zu Dir. Du lobst ihn mit freundlicher Stimme (“Super!”) und fütterst ihm ein Leckerli. Da dies ein positives Erlebnis für Deinen Hund war, ist es sehr wahrscheinlich dass er wieder kommt, wenn Du ihn das nächste Mal rufst.

Negative Verstärkung. Das Verhalten Deines Hundes resultiert in dem Wegfall von etwas Negativen. Beispiel: Du gehst mit Deinem Hund spazieren und er zieht so stark an der Leine, dass sich das Kettenhalsband um seinen Hals zusammenzieht. Das tut ihm weh. Er hört daraufhin auf zu ziehen, das Halsband öffnet sich wieder und der Schmerz lässt nach. Er wird nun mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr ziehen, es sei denn, sein Wunsch Dich irgendwo anders hinzuschleppen ist größer, als sein Wunsch nach Schmerzfreiheit…

Positive Bestrafung. Das Verhalten Deines Hundes resultiert in einer Bestrafung. Beispiel: Du erwischst Deinen Hund auf frischer Tat als er gerade eine Wurst vom Küchentisch stehlen will. In dem Augenblick als er danach schnappen will, lässt Du das Backblech in Deiner Hand scheppernd auf den Boden fallen und rufst laut “Pfui!!!”, Dein Hund springt erschrocken vom Tisch zurück und kriecht schwanzwedelnd auf Dich zu um Dich zu beschwichtigen. Da dies eine negative Erfahrung für Deinen Hund war, wird er bestimmt nicht so schnell wieder versuchen zu klauen (es sei denn das war seine erste Strafe nach 20 Erfolgen…).

Negative Bestrafung. Das Verhalten Deines Hundes resultiert in dem Wegfall von etwas Positiven. Beispiel: Du willst Deinen Hund zum Sitzen bringen und bewegst ein Leckerli langsam von seiner Nasenspitze über seinen Kopf hinweg auf seinen Nacken zu. Dein Hund setzt sich nicht und weicht zurück um nach dem Leckerli zu schnappen. Du nimmst das Leckerli daraufhin weg und steckst es wieder in Deine Tasche. Da das Verhalten Deines Hundes im verschwinden seines Leckerlis resultiert, wird er das nächst mal wahrscheinlich etwas anderes ausprobieren.

Grundsätzlich sind alle hier aufgezeigten Methoden zur Hundeausbildung geeignet, ich möchte mich jedoch auf nur zwei von denen beschränken: „Positive Verstärkung“ und „Negative Bestrafung“. Das bedeutet nicht, dass ich nicht selbst von allen vier Methoden gebrauch mache, gerade für Anfänger beinhaltet aber die Methode der Positiven Bestrafung ein nicht unerhebliches Risiko. Positive Bestrafung ist ein überaus gebräuchliches Mittel um unerwünschte Verhaltensweisen bei einem Hund zu stoppen. Der Nachteil dabei ist aber, das Dein Hund durch Positive Bestrafung lediglich lernt was falsch ist, und nicht was er eigentlich machen soll. Außerdem kann Positive Bestrafung die nicht im Verhältnis zum “Vergehen” steht schnell zu Missbrauch ausarten.

Man braucht einiges an Erfahrung in der Hundeausbildung um den Grad des “Vergehens” bei einem Hund richtig einzuschätzen, daraufhin die Bestrafung entsprechend zu dosieren und schließlich mit dem richtigen Timing anzubringen – denn wenn Du nicht schnell genug, bist kann es durchaus sein, das Dein Hund nicht einmal mehr weiß für was er bestraft wird.

Operante Konditionierung ist nicht nur eine bessere Art und Weise einen Hund zu erziehen, es ist die einzige Art und Weise die ihm lehrt sein Gehirn zu benutzen, um Probleme oder Aufgaben selbstständig zu lösen. Hat er dies erst einmal gelernt, wirst Du staunen wie schnell es gehen kann einem Hund etwas Neues beizubringen.

(Hinweis: Dieser Abschnitt gehört zu einem Artikel über die Grundlagen der positiven Hundeausbildung.
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