8). Cora hat Langeweile – Unseren Hund motivieren.

Nichts geht ohne Motivation. Würdest Du morgens um 7:00 Uhr aufstehen und ins Büro eilen um dort den Rest Deines Tages zu verbringen, wenn Du nicht motiviert wärst? Für die Meisten von uns ist ein dicker Gehaltsscheck eine sehr gute Motivation. Das gleiche Prinzip gilt auch für unseren Hund, obwohl sein idealer “Gehaltsscheck” etwas anders aussieht als unserer.

Auch unser Hund wird für richtiges Verhalten “bezahlt”, und zwar mit Leckerli oder Spiel. Das Zahlungsmittel kann dabei durchaus von Hund zu Hund anders aussehen. Manche Hunde machen alles für ein Leckerli, andere bevorzugen Spiel. In der Welt der Hundeausbildung reden wir dabei von der Arbeit über den Futtertrieb, Spieltrieb oder Beutetrieb.

Gute Hundeausbilder versuchen über eine Vielzahl von Trieben zu arbeiten, da alle ihre gewissen Vor- und Nachteile haben:

– Bei der Arbeit über den Futtertrieb muss der Hund Hunger haben und Du brauchst genügend Leckerli. Mit vollem Bauch hat Dein Hund bestimmt keine Lust sich besonders anzustrengen um noch mehr Futter zu bekommen.

– Bei der Arbeit über den Beutetrieb oder Spieltrieb muss der Hund ausgeruht sein und auch Lust zum Spielen haben. Hat er hingegen die letzen zwei Stunden mit anderen Hunden herumgetobt, wird sein Interesse einem Ball nachzulaufen deutlich geringer sein.

Ich beginne bei meinen Hunden in der Regel jede neue Übung zunächst über Futter. Leckerli als Belohnung minimiert Trainingsunterbrechungen! Ein gutes Beispiel ist die Grundstellungsübung in der ich meinem Hund beibringe aufmerksam an meiner linken Seite zu sitzen. Wenn er das korrekt ausführt, bekommt er eine Belohnung in der Form eines weichen Leckerlis das er schnell und ohne viel zu kauen runterschlucken kann. Sobald das Leckerli geschluckt ist, geht die Übung weiter, denn der Hund kann sich sofort wieder konzentrieren. Stell Dir mal vor, Du belohnst Deinen Hund in diesem Fall mit einem Ball. Er schnappt den Ball, die Konzentration ist weg, Du willst den Ball zurück und befindest dich plötzlich mitten im Tauziehen mit Deinem Hund. Das war’s dann wohl mit der Übung!

Sobald ich weiß, dass mein Hund die Übung verstanden hat, wechsle ich die Belohnung und arbeite über Spiel- und Beutetrieb. Einer der Gründe dafür ist Bequemlichkeit, denn ein Spielzeug hält üblicherweise viel länger als eine Tüte Leckerli. Ein weiterer, wichtigerer Grund für den Wechsel zum Spielzeug ist Tempo: Zum Beispiel, wenn ich meinen Hund die Grundstellung beibringe, benutze ich dafür nach den ersten Schritten immer ein Spielzeug um *Tempo* zu machen. Mein Hund befindet sich vor mir und ich rufe ihn in die Grundstellung. Dafür muss er rechts an mir vorbei, hinter meinem Rücken wenden, und dann links in Höhe seiner Schulter neben meinem Knie sitzen. Beim trainieren zeige ich ihm sein Spielzeug, rufe in ab und sobald er rechts neben mir zur Wendung ansetzt, werfe ich den Ball nach vorne weg. Der Hund schießt um mich herum und läuft sofort weiter hinter dem Ball her (später kombiniere ich diese Übung mit dem Hörzeichen “Los”, damit er beim Herumkommen unterscheiden kann ob er rennen darf oder sitzen muss). Die Grundstellungsübung ist hier in allen Einzelheiten beschrieben.

 

Einige Worte zur Arbeit mit Futter:

Wie schon gesagt, vergewissere Dich das Dein Hund auch hungrig ist, wenn Du über Futter arbeitest. Es ist auch empfehlenswert kleine und weiche Leckerli zu benutzten, damit Dein Hund nicht zu viel kauen braucht. Letztendlich willst Du Trainingsunterbrechungen minimieren und das ist schon etwas schwierig, wenn Dein Hund eine Minute braucht um einen Keks zu fressen. Ich benutze beim Training gerne kleine Würstchen (aus Rindfleisch) – die sind für meinen Hund etwas Besonderes. Sie lassen sich gut in kleine Stücke schneiden, und ekeln nicht, wenn man sie bei gewissen Übungen zum Futter spucken verwendet (siehe Grundstellungsübung). Manchmal esse ich dann bei den Übungen sogar mit…

 

Einige Worte zur Arbeit mit Spielzeug:

Wenn Du mit Deinem Hund über den Beutetrieb oder Spieltrieb arbeitest, achte darauf, dass Dein Hund auch die Spielregeln versteht. Als Trainer und Rudelführer bist Du für die Kontrolle des Spiels verantwortlich, und das klappt bestimmt nicht, wenn Dein Hund einfach mit seinem Spielzeug abhaut. Wenn er das macht, trainiere erst einmal das richtige Spielen. Dafür nimmst Du entweder Deinen Hund oder sein Spielzeug an eine lange Leine. Wenn Dein Hund sein Spielzeug nicht rausgeben will, bringe ihm als erstes das “Aus” bei und konzentriere Dich dann auf das korrekte Spielen. Letztendlich soll Dein Hund lernen folgendermaßen zu Spielen:

– Dein Hund konzentriert sich auf Dich und Dein Spielzeug.
– Er rennt dem Spielzeug hinterher wenn Du es wegwirfst.
– Er bringt es nach dem aufnehmen sofort wieder zu Dir zurück.
– Er bietet es Dir zum zerr- oder Tauziehen an.
– Er lässt das Spielzeug auf Hörzeichen (z.B. “Aus”) wieder los.

Besonders geeignete Spielzeuge für diese Übung sind Bälle mit einer Schnur oder Prof. Ekard Linds “Motivationsobjekte”.

(Hinweis: Dieser Abschnitt gehört zu einem Artikel über die Grundlagen der positiven Hundeausbildung.
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