Die Grundstellung ist eine der wichtigsten Übungen in der klassischen Unterordnung. Folge den Schritt-für-Schritt Anweisungen auf dieser Seite und Dein Hund lernt diese Übung im Handumdrehen.
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Der konfliktfreie Weg zur “Grundstellung” – Teil 1 von 4

Hörzeichen in Englisch:
“Look” or “Watch me”
Hörzeichen in Deutsch:
“Schau”

 

Teil 1 von 4: Aufmerksamkeit [Voraussetzungen: Sitzübung]

Falls Du jemals die Unterordnungsvorführung in einem Obedience- oder Schutzhundwettkampf beobachtet hast, ist Dir vielleicht aufgefallen, dass fast alle Übungen mit dem Hund in einer Sitzposition an der linken Seite des Hundeführers beginnen, und auch enden. Dies ist die sogenannte “Grundstellung”. Dabei beobachten besonders aufmerksame Hunde ihren Hundeführer mit voller Konzentration. Dies ist nicht ein liebevoller Blick aus Zuneigung, dies ist ein antrainiertes Verhalten, da der Hund in dieser Position laut Prüfungsordnung, aufmerksam und gespannt auf die nächste Übung warten soll. Auch, wenn Du Deinen Hund nicht in der klassischen Unterordnung trainieren willst, ist es selbst im Alltag außerordentlich hilfreich, wenn Dein Hund die Grundstellungsübung beherrscht. Zum Beispiel: Du willst spazieren gehen und greifst nach der Hundeleine, hättest Du Deinen Hund dabei lieber sitzend an Deiner Seite, oder wild um Dich herumspringend? Das gleiche beim Füttern, oder beim Einsteigen ins Auto… Dieser Satz ist noch nicht zuende geschrieben, und ich kann schon an fast ein halbes Dutzend weiterer Beispiele denken.

 

Dem Hund das Hochschauen beibringen, ist mehr als nur ein netter Trick. Nicht-verbale Kommunikation spielt bei Hunden eine viel wichtigere Rolle als bei uns Menschen. Besonders junge Hunde suchen in vielen Situationen den Augenkontakt mit ihren menschlichen “Rudelmitgliedern”, aber die meisten von uns bemerken dies nicht einmal. Wir gehen zwar mit unserem Hund spazieren, aber unsere Gedanken sind woanders und wir vermuten einfach nicht, dass unser Hund auf diesem Wege mit uns kommunizieren will. Letztendlich wird unser Hund aufgeben, unseren Blickkontakt zu suchen, und eine einzigartige Möglichkeit einander besser zu verstehen, ist verloren. Wir können diese verlorene Kommunikationsform nur dadurch wieder aufbauen, indem wir unserem Hund das aufmerksame Beobachten seines Hundeführers neu anerziehen und in Zukunft genau darauf achten, ob und warum unser Hund Blickkontakt sucht.

Nun aber los mit dem praktischen Teil. Wenn Du bereits unsere Grundlagen der Hundeausbildung gelesen hast, dann bist Du mit dem Konzept der “Verkettung und Rückverkettung” von Übungen vertraut (siehe Grundlagen, Kapitel 12). Genau dies werden wir mit der Grundstellungsübung tun. Wir beginnen also mit dem letzten Element dieser Übung und trainieren dies zuerst. Es ist uns also erst einmal egal, wie wir den Hund auf unsere linke Seite bekommen, das Wichtige in diesem ersten Schritt ist das aufmerksame Hochschauen.

 

Die einzelnen Elemente der Grundstellungsübung:

(a) Der Hund soll sich auf unsere linke Seite begeben (seine Schulter neben unseren Beinen),

(b) In dieser Position soll er sich gerade hinsetzen (parallel zu uns),

(c) Er soll uns während des Sitzens aufmerksam beobachten.

Wie schon gesagt, wir werden jedes Element einzeln üben.

 

Schau mir in die Augen Kleiner… Aufmerksamkeitstraining für unseren Hund:

 

Schritt 1

Hole Dir ein paar geeignete Leckerli, einen Klicker (falls Du einen benutzt oder benutzen möchtest) und ein Spielzeug. Was die Leckerli angeht, “geeignet” bedeutet insbesondere bei dieser Übung etwas was Dein Hund außerordentlich gerne mag. Bei dieser Übung ist eine Trainingsweste oder eine kleine Tasche, die man am Gürtel befestigen kann, ein oft sehr hilfreicher Aufbewahrungsort für Leckerli. Wir wollen nämlich nicht, dass sich unser Hund an den Leckerlis womöglich selbst bedient.

 

Schritt 2

Vergewissere Dich, dass sich Dein Hund ausschließlich auf Dich konzentrieren kann, und vermeide jegliche Art von Störungen. Dies ist eine wichtige Grundbedingung für diese Übung. Besonders bei Anfängern ist das Üben im Haus oder eigenem Garten besonders empfehlenswert.

 

Schritt 3

Bringe Deinen Hund in die “Sitz” Position und lobe ihn dafür.

 

Schritt 4

Stelle Dich rechts neben Deinen Hund so das er mit seinem rechten Schulterblatt in Kniehöhe auf Deiner linken Seite sitzt (oder bei kleineren Hunden… in Wadenhöhe). Dies ist die korrekte Grundstellung.

 

Schritt 5

Nehme mit Deiner rechten Hand ein Leckerli aus der Tasche und halte es vor Deinen Mund (tue so als hättest Du dies aus Deinem Mund genommen).

 

Schritt 6

Nun mache Deinen Hund auf das Leckerli aufmerksam indem Du seinen Namen rufst, mit der Zunge schnalzt oder ein “Pssst” Geräusch machst. Sobald er zu Dir hochschaut, zeige ihm das Leckerli und bewege Deine Hand mit dem Leckerli langsam auf ihn zu damit er es Dir aus der Hand fressen kann, ohne dabei aufzustehen oder sich wegzubewegen. Bewege die Hand nicht zu schnell auf ihn zu, wir wollen in dieser Phase schon damit anfangen, Konzentration aufzubauen. Falls dein Hund aufsteht, stecke das Leckerli wieder in die Tasche und gehe zurück zu Schritt 3. Manche Hunde sind schon beim einfachen Anblick eines Leckerlis total aus dem Häuschen und können überhaupt nicht mehr ans still sitzen denken. Ist das auch bei Deinem Hund der Fall, beende die Übung erst einmal und warte bis er wieder ruhiger geworden ist. Ein kleiner Spaziergang hilft in solch einer Situation oft die überschüssige Energie abzubauen.

 

Schritt 7

Wiederhole diese Übung ab Schritt 5 noch einige male. In der Anfangsphase wollen wir längere Wartezeiten vermeiden. Dein Hund soll sich daran gewöhnen, dass Dein Mund über einen endlosen Vorrat an Leckerli verfügt, auf den es sich zu warten lohnt.

 

Schritt 8

Nach einigen Minuten der “Fütterung”, beende die Übung mit ausgiebigen Spiel.

 

Schritt 9

Wenn Dein Hund gelernt hat ruhig in Erwartung seiner Leckerlis neben Dir zu sitzen, kannst Du damit beginnen, die Konzentrationsphasen zwischen den einzelnen Leckerlis zu verlängern.

Du solltest nun auch damit anfangen, ein Hörzeichen für sein konzentriertes beobachten des “Leckerliausgangs” einzuführen, anstatt ihn mit seinem Namen oder einem “Pssst” dazu aufzufordern. Wir benutzen hier für das “Schau” Hörzeichen. Sobald Dein Hund zu Dir hochsieht, ermutige ihn mit einem freundlich gesprochenen “Schau” (oder einem anderen Hörzeichen Deiner Wahl). Falls er seine Konzentration wieder verliert und wegsieht, gebe ihm erneut das “Schau” Hörzeichen und lobe ihn mit anschließendem Leckerli, wenn er darauf reagiert. Einige Ausbilder trainieren dieses Hörzeichen unabhängig von der Grundstellungsübung, dies ist aber unserer Ansicht nach nicht unbedingt erforderlich.

Jetzt solltest Du auch Deine Fütterungsmethode etwas “verbessern”. Dein Hund hat gelernt, dass die Leckerlis immer aus Deiner Hand kommen. Schlauer Kerl! Warum Herrchen oder Frauchen ansehen wenn das Leckerei sowieso in der Hand ist? Die Lösung ist einfach: Stecke die Leckerlis in Deinen Mund und Spucke sie in Richtung deines Hundes damit er sie aus der Luft fangen muss. Nein, das ist jetzt kein Witz!

Wir können uns gut vorstellen, das sich dies für den Einen oder Anderen etwas unangenehm anhört. Wer will sich denn schon Hundefutter in den Mund stecken. Da gibt es aber eine einfache Lösung. Viele Hunde mögen Äpfel, Bananen, oder Pfirsiche die man in kleinen Stücken gut im Mund deponieren kann. Du kannst auch kleine Stücke aus gekochtem Rindfleisch, Leber oder Würstchen (ohne Schweinefleisch) dafür verwenden. Da kann man gleich selbst mitessen. In dieser Phase wollen wir unseren Hund daran gewöhnen zu uns hochzusehen ohne unsere Hände dabei im Weg zu haben.

 

Schritt 10

Nun aber los. Wiederhole die Übungsschritte 1 bis 4, aber diesmal mit dem Leckerli im Mund. Stehe dabei gerade und wende lediglich Deinen Kopf Deinem Hund zu (Oberkörper bleibt gerade). Sobald der Hund zu Dir aufsieht, spucke einen Futterbrocken. Das erste Leckerli wird bestimmt an Deinem Hund vorbeifallen, oder sogar an seiner Schnauze abprallen… Daraufhin steht dieser bestimmt verdutzt auf und sucht nach dem Leckerli auf dem Boden. Nun ja, das war zu erwarten. Die wenigsten Hunde sind von Geburt an talentierte Futterfänger, auch dies muss trainiert werden. Du spuckst also fröhlich weiter. Es ist in der Anfangsphase nicht schlimm, wenn unser Hund aufsteht, um das verlorene Leckerli zu finden. Schließlich trainieren wir das aufmerksame Beobachten des Hundeführers und nicht das Futterfangen.

Nach einigen Trainingseinheiten sollte Dein Hund gelernt haben, dass seine Leckerlis direkt aus Deinem Mund kommen. Er wird nun nicht mehr auf Deine Hände fixiert sein, sondern auf Dein Gesicht (oder besser, auf Deinen Mund). Klasse, mehr wollen wir von ihm im Augenblick überhaupt nicht. Wir können jetzt mit dem zweiten Teil der Arbeit beginnen, aber trotzdem wollen wir diesen ersten Teil fleißig weiter üben.

Wichtig: Deine Leckerlis müssen während dieser Übungen der wichtigste Stimulus für Deinen Hund sein, sonst wird es mit dem Hochschauen nichts. Falls er sich dafür nicht interessiert, versuch es mit einem anderen, reizvolleren Leckerli oder warte bis er richtig Hunger hat (z.B. nach dem Aussetzen einer Mahlzeit). Ebenso, in der Kürze liegt die Würze! Unser Hund darf nicht die Lust verlieren. Ganz im Gegenteil, wir sollten versuchen immer dann aufzuhören, wenn er am meisten Spaß hat. Nach jeder Übungseinheit sollte außerdem ausgiebig gespielt werden.

Was wenn?

F: Sobald mein Hund das Leckerli riecht, ist es vorbei mit dem Sitzen. Er versucht dann selbstständig die Leckerlis aus meiner Hand oder Tasche zu holen.

A: Unserer Meinung nach ist die Grundstellungsübung die “Mutter aller Übungen”, aber sie ist hier mit Absicht nicht an erster Stelle aufgeführt. Es ist einfach nicht möglich, die Grundstellung zu trainieren, wenn Dein Hund ständig um Dich herumspringt. Daher kommt erst einmal die Sitzübung. Dein Hund muss die Sitzübung selbst unter leichter Ablenkung beherrschen, bevor Du mit der Grundstellung beginnen kannst. Futter in der Hand oder Tasche ist für viele Hunde mehr als nur eine leichte Ablenkung!

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