Die Grundstellung ist eine der wichtigsten Übungen in der klassischen Unterordnung. Folge den Schritt-für-Schritt Anweisungen auf dieser Seite und Dein Hund lernt diese Übung im Handumdrehen.
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Der konfliktfreie Weg zur “Grundstellung” – Teil 4 von 4

Hörzeichen in Englisch:
“Heel”, “Look”
Hörzeichen in Deutsch:
“Fuß”, “Schau”

 

Teil 4 von 4:  Die Feinabstimmung 

Das Trainieren der Grundstellungsübung macht eine Menge Arbeit, dass hast Du inzwischen sicher bemerkt. Möglicherweise denkst Du aber auch, dass das Erarbeiten der Feinheiten, wie z.B. die schnelle und zuverlässige Ausführung dieser Übung in jeder Situation noch viel mehr Arbeit macht… Das ist aber nicht so. Wenn Du die ersten drei Trainingsebenen wie beschrieben durchgearbeitet hast, hatte Dein Hund eine Menge Spaß. Das ist unsere Grundlage für die Weiterarbeit. In diesem letzen Abschnitt wollen wir einige Wege aufzeigen, die Dir helfen die Grundstellungsübung zu “perfektionieren,” ohne dabei Deinem Hund den Spaß zu nehmen.

Konzentration – und zwar länger als nur eine Sekunde. Diese Übung ist eine Fortsetzung von Teil 1. Wir haben unserem Hund beigebracht hochzusehen, wenn wir ihm Leckerli aus unserem Mund füttern. Nun wollen wir den Zeitabstand zwischen den einzelnen Leckerlis von nur wenigen Sekunden bis auf mehrere Minuten vergrößern. Das geht natürlich nicht von Heute auf Morgen. Wir sollten uns in dieser Phase Zeit lassen, um unseren Hund nicht zu frustrieren. Wir beginnen diese Übung wie in Schritt 9 des ersten Teils beschreiben. Wir warten nun aber so lange, bis unser Hund seine Konzentration verliert und wegsieht. Daraufhin ermahnen wir ihn mit dem deutlich (aber freundlich) gesprochenen “Schau” Hörzeichen. Sobald er wieder zu uns aufsieht, loben wir ihn, warten aber noch einige Sekunden mit dem Leckerli. Schließlich wollen wir dem Hund nicht vermitteln, dass er gleich nach der Ermahnung belohnt wird, sondern, dass sich sein warten lohnt.

Der Zeitabstand zwischen der Ermahnung und dem Leckerli wird nun über die nächsten Tage erhöht, und nach etwa ein bis zwei Wochen gibt es dann zur Belohnung kein Leckerli mehr, aber immer noch unser Lob! Wir benutzen bei dieser Übung keinen Klicker da wir dem Hund nicht den Eindruck vermitteln wollen, dass er für das “Zurücksehen” nach seinem Konzentrationsverlust belohnt wird. Er wird für seine andauernde Konzentration belohnt, daher markieren wir sein Verhalten nur nachdem er diese Konzentration auch für eine (mehr oder weniger lange) Weile gezeigt hat. Die Steigerung der Konzentrationsfähigkeit unseres Hundes von einigen Sekunden bis zu mehr als einer Minute kann, je nach Hund und Anzahl der Übungseinheiten, von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen dauern.

Noch ein Tipp: Dein Hund wird diese Übung viel schneller meistern, wenn Du seine Wartezeiten willkürlich veränderst. Warte keine 15 Sekunden, und dann 20 Sekunden, und dann 30 Sekunden… sondern lasse Deinen Hund nur 5 Sekunden warten, dann 20 Sekunden, dann nur 3 Sekunden, 15, 20, 5 usw. Dein Hund soll niemals erahnen, wie lange er beim nächsten mal warten muss.

Falls Du Deinen Hund für den Obedience oder Schutzhundsport ausbilden möchtest, musst Du zusätzlich noch daran arbeiten, dass Dein Hund auch zu Dir hochsieht während Du ihn (seiner Meinung nach) nicht beachtest. Aber wie? Die Lösung ist ein einfacher Spiegel. Begebe Dich mit Deinem Hund vor einen Spiegel in die Grundstellung und beobachte ihn im Spiegel. Hunde sind zwar schlau, aber Dein Hund wird kaum damit rechnen, dass Du sein Spiegelbild beobachtest, während er zu Dir hochsieht. Diese Übung macht gerade Anfangs meist viel Spaß, da selbst sehr aufmerksame Hunde dazu neigen in der Gegend herumzuschauen, wenn sie denken, dass der Chef gerade nicht aufpasst. Da könnte man fast sagen: Hunde sind auch nur Menschen!

Futter begeistert: Die Grundstellung lässt sich besonders gut üben, wenn man sie in die tägliche Fütterungsroutine einarbeitet. Die meisten Hunden können es einfach nicht abwarten gefüttert zu werden. Eine gefüllte Futterschüssel ist eben eine außerordentliche Motivation. Also, anstatt die Futterschüssel einfach auf den Boden zu stellen, halte diese vor Dein Gesicht und rufe Deinen Hund in die Grundstellung. Die Schüssel ist nun sein Leckerli, und Du wirst schon nach wenigen Wiederholungen sehen, wie schnell Dein Hund seine Grundstellung findet!

Du bist wichtiger als Futter: Zusätzlich zu dem Hochsehen zur Futterschüssel solltest Du auch das “Abwarten” trainieren. Bei Hunden die das Abwarten auf Kommando nie gelernt haben, kann dies eine große Herausforderung sein. Leine Deinen Hund an und begebe Dich mit ihm und seinem Futter in die Grundstellung. Nachdem er Dich aufmerksam beobachtet hat, fasse in sein Halsband und halte ihn zurück während Du seine Futterschüssel auf den Boden stellst. Damit er sich nicht sofort selbst “belohnt”. Ziehe ihn einen Schritt zurück und bringe ihn in die Sitzposition links neben Dir. Streiche mit Deiner Hand an seinem Hinterteil entlang und übe dabei leichten Druck nach unten aus falls er nicht auf Dein Hörzeichen allein reagiert (Das Ziel ist hier nicht das Üben der Sitzposition, sondern das Hochsehen). Fordere Deinen Hund zum Hochsehen auf indem Du das “Schau” Hörzeichen in einem ruhigen und bestimmten Ton wiederholt sprichst. Es kann einiges an Zeit kosten bis Dein Hund reagiert, denn Dein Hund wird instinktiv versuchen, zu seinem Futter zu gelangen (sollte er dies schaffen, war Deine Mühe umsonst). Die meisten Hunde orientieren sich nach einigen erfolglosen Versuchen frustriert zu ihrem Hundeführer zurück (“was ist hier denn los… ich will mein Futter?”). Wir fordern also unseren Hund ununterbrochen mit dem “Schau” Hörzeichen auf, zu uns hochzusehen.

Sobald dies unser Hund dann tatsächlich tut, geben wir ihm sofort freudig sein Auflösungshörzeichen (z.B. “Los”) und lassen ihn fressen. Dies wiederholen wir nun vor jeder Fütterung. Mehr über Auflösungshörzeichen findest Du in diesem Artikel. Du kannst diese Übung auch mit einem Leckerli trainieren. Bei besonders “Futterhungrigen” Hunden ist dies oft die bessere Lösung. Nimm dafür ein Leckerli in Deine Hand, aber anstatt es in Gesichtshöhe zu halten, strecke Deinen Arm aus. Fordere Deinen Hund nun auf Dich trotzdem anzusehen (“Schau”). Sobald er Dir ins Gesicht sieht, belohne ihn mit dem Leckerli. Auf diese Weise lernt Dein Hund sich auf Dich zu konzentrieren selbst wenn das Leckerli woanders ist.

Ablenkungen: Du hast bestimmt schon längst den Unterschied zwischen Deinen Übungsstunden zu Hause und auf der Strasse oder im Park bemerkt. Der Unterschied sind Ablenkungen. Zu Hause kann sich Dein Hund vollständig auf Dich konzentrieren, im Park gibt es aber so viele andere Sachen, die Waldi unbedingt sehen möchte. Es ist möglich unseren Hund vollständig zu desensibilisieren damit er nicht mehr auf solche Umweltreize reagiert, aber die meisten von uns brauchen das nicht. Wir wollen aber, dass sich unser Hund auf uns konzentriert, wenn andere Hunde oder Leute in unserer Nähe sind. aber trainiert werden. Gute Trainingsablenkungen, gerade für Anfänger, bieten Familienangehörigen oder Freunde, wenn man diese bittet, bei unseren Übungen anwesend zu sein. Zu Beginn sollten sich unsere “Störungsobjekte” ruhig verhalten. Wir wollen als erstes trainieren, dass unser Hund nicht durch deren einfache Anwesendheit abgelenkt wird. Sobald Dein Hund sich ablenken lässt, erinnere ihn mit dem “Schau” Hörzeichen daran, dass Du wichtiger bist. Belohne ihn wenn er wieder zu Dir zurücksieht, und dann beende diesen Übungsteil mit einem kurzen Spiel. Wenn Dein Hund sich durch die Anwesendheit von Freunden oder Familienangehörigen nicht mehr ablenken lässt, kannst Du den Störungsgrad erhöhen indem Du Deine Freunde darum bittest Geräusche zu machen oder den Namen Deines Hundes zu rufen. Früher oder später wird Dein Hund lernen, diese Ablenkungen zu ignorieren. Erwarte aber keine Wunder, dies braucht seine Zeit.

Nun aber Tempo! Im Obedience- oder Schutzhundsport kommt es nicht nur auf Präzision an, sondern auch auf Schneid. Leckerli sind sehr hilfreich, wenn man mit seinem Hund eine neue Übung einstudieren möchte. Dabei bleibt der Hund ruhig und konzentriert bei der Sache, und das ist genau was Du willst, wenn Du eine Übung akkurat und in allen Einzelschritten durcharbeiten möchtest. Geschwindigkeit erreicht man dadurch allerdings nicht. Eine schnelle Ausführung einer Übung erreichen wir indem wir diese über den Beutetrieb unseres Hundes trainieren, und dazu eignen sich Beutespielzeuge viel besser als Futter. Halte Dein Beutespielzeug in Deiner linken Hand während Du die Grundstellung übst. Hältst Du es in der rechten Hand, versucht Dein Hund möglicherweise schräg vor Dir zu sitzen damit er dichter am Spielzeug ist. Denke immer daran, dass man nicht an zwei Dingen zur gleichen Zeit arbeiten sollte, also versuche nicht an der Präzision Deiner Vorführung zu arbeiten und gleichzeitig auch an Geschwindigkeit. Um Tempo zu trainieren, stelle Dich vor Deinen Hund und rufe ihn in die Grundstellung (“Fuß”). Wenn er um Dich herumläuft, werfe das Beutespielzeug geradeaus weg und fordere ihn mit Deinem Auflösungshörzeichen (z.B. “Los” oder “Pack ihn”) zum nachlaufen auf. Achte aber darauf, dass er das Spielzeug auch sieht.

Diese Methode funktioniert allerdings nur, wenn Du Deinem Hund das Erreichen der Grundstellung, durch um Dich herumlaufen beigebracht hast. Aus diesem Grund bevorzugen wir diese Methode. Achte bei dieser Übung aber auf Dein Timing! Wenn Du das Beutespielzeug wirfst bevor Dein Hund zum Umkreisen angesetzt hat, besteht die Gefahr, dass er sich noch vor Dir umdreht und sofort losläuft. Bei uns gibt’s aber keine Abkürzungen, in solch einem Fall beginnen wir die Übung von vorn. Sobald Dein Hund gelernt hat, dich schnell zu umkreisen, beginnen wir ihn einige male hinter dem Spielzeug herlaufen zu lassen oder auch mal anzuhalten. Hierzu ist aber Dein Timing und sein genaues befolgen des Auflösungshörzeichen unbedingt erforderlich. Das Ziel dieser Übung ist den Hund wissen zu lassen, dass er mit großer Wahrscheinlichkeit einem Spielzeug hinterher laufen darf, wenn er in die Grundstellung gerufen wird, und da wird er dann kaum darauf warten können…

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